Früher, als ich Kind war, fanden sich in unserem Dorf noch viele Läden. Neben mehreren Lebensmittelgeschäften und Molkereien erinnere ich mich z.B. an eine Papeterie und an ein Schuhgeschäft, den Schuhmacher dazu gabs gleich ums Eck. Man kaufte im Eisenwarengeschäft mit deckenhohen Schubladenschränken, in denen jede Art von Schrauben, Nägeln, Scharnieren und Haken lagen, es gab ausserdem Geschirr, Taschenlampen, Gartengeräte und 1000 Dinge mehr. Den Laden von Frau Fischer habe ich noch bildlich vor Augen; die freundliche alte Dame bot alles rund ums Thema Nähen, Stricken und Flicken an (und launige Dinge wie z.B. diese breiten, silbernen Fingerringe mit Sternzeichenmotiv, von denen ich damals ganz unbedingt gerne einen gehabt hätte!). Und ich kann noch sehr genau diesen Geruch im urigen "Chäslädäli" der beiden alten Schwestern in der Untergasse in meinem Gehirn abrufen: etwas modrig und muffig, nach feuchtem Stein, Holz, Käse und Wurst. Man stieg ein paar Stufen runter in eine Art Kellergewölbe, in dem dicke Käselaibe im Regal lagen, Würste über der Theke hingen und einem die schon recht betagten Damen in langen Röcken mit Überschürze bedienten. Die beiden waren mir ein wenig unheimlich, obwohl sie uns Kindern immer ein Riemchen Käse extra zugesteckt haben...
Merci, Pixabay!
Dieses ganze alte Haus ist inzwischen, wie viele der Läden auch, verschwunden, und selbst das grosse Lebensmittelgeschäft mitten im Dorf wurde vor ein paar Jahren ohne Vorwarnung von einem Tag auf den nächsten dichtgemacht. Ich hatte dort zwar nur sehr selten eingekauft, denn es fand sich nicht ein einziges Bioprodukt im Sortiment, das Gemüse und die Früchte lagen oft schon scheintot in den Regalen, und die Frau, die den Laden führte, hatte die äusserst unangenehme Angewohnheit, ihren Angestellten quer durch die Räumlichkeiten hinterherzuschreien.
Ein Dorf, das seine Geschäfte verliert, verliert nun leider auch sehr viel an Leben und Gemeinschaft. Aber so nach und nach eröffneten innovative Menschen wieder neue Einkaufsmöglichkeiten. Die Drogerie kam zurück, es gibt inzwischen zwei Blumen- und einen Teeladen, sogar eine Kleiderboutique hat sich etabliert, und auch das grosse Lebensmittelgeschäft im Zentrum öffnete vor einer Weile wieder seine Schiebetüren. Dort präsentiert sich jetzt ein wirklich umfassendes Sortiment, es gibt praktisch alles auch in der Bioversion, sogar meine bevorzugte Körperpflegelinie. Die Angestellten sind nett und zuvorkommend, und: mit dem Laden kam auch das Leben zurück ins Dorf. Jemand, der in einer Stadt lebt, kann sich das vielleicht gar nicht so vorstellen- aber seit der Wiedereröffnung halten sich deutlich mehr Menschen im Dorf auf. Alt und Jung trifft sich, hält einen Schwatz und kauft ein. So bleibt, als wirtschaftlich nicht zu unterschätzender Nebeneffekt, auch das Geld im Ort. Weil man nicht mehr in die umliegenden Orte fahren muss, um seinen täglichen Bedarf abzudecken, und daher gleich auch noch die andern ansässigen Geschäfte mitberücksichtig.
So entsteht eine
WIN-WIN-Situation
für alle Beteiligten.
🛒
Kommt gut in die neue Woche!






































