Sonntag, 26. September 2021

DICKE DINGER

 

 

 Gestern beim Reiten.

"Hast du Interesse an einem 10-Kilo-Sack Kartoffeln?" fragt mich mein Reiterlein. 

Und schiebt erklärend hinterher: "Ich hab eine Kollegin, auf deren Hof Kartoffeln angebaut werden. Die Grossverteiler nehmen denen aber nur Kartoffeln ab, die einer genau definierten Grösse entsprechen. Auf allem, was grösser ist, bleiben sie sitzen!"


 

Merci, Pixabay!

Da steigt mir doch gleich mal wieder das Adrenalin ins Blut. Und vor meinem geistigen Auge erscheinen Bilder von ganzen Halden an Früchten und Gemüsen, die vergammeln und entsorgt werden, weil sie keiner haben will. Wie dekadent sind wir eigentlich? Und welcher- entschuldigung!- unterbeschäftigte Schreibtischvollhonk masst sich an zu entscheiden, wie gross eine Kartoffel oder ein Apfel sein darf, wie lang ein Rüebli und wie krumm eine Gurke?


Wir mussten alle noch nie Not leiden- in keiner Art und Weise. Nur so kann ich mir erklären dass wir uns einbilden, ein Recht auf makelloses Gemüse und einwandfreie Früchte zu haben. Jede kleine Delle, jedes braune Fleckchen wird mit Naserümpfen quittiert und das LEBENSmittel wieder in die Kiste zurückgeworfen.

 

Ich habe mir vor langem schon angewöhnt, eben genau die Produkte einzupacken, die kleine Schadstellen aufweisen. Erstens weil ich weiss, dass sie deshalb nicht weniger gut schmecken- und zweitens, weil sie sonst fortlaufend rigoros aussortiert und weggeworfen werden. 

Ein Rüebli ist und bleibt ein wertvolles Naturprodukt, egal ob es dick, dünn, abgebrochen oder sogar verzweigt gewachsen ist. Und was ist verkehrt an einer riesigen Kartoffel?

Der Mensch sollte sich abgewöhnen, an alles Ansprüche zu stellen, die er selber bei Weitem nicht erfüllt....

Es gibt kein "Krüppelgemüse" (alleine schon dieser Ausdruck!). Es gibt nur unangemessene Ansprüche und eine verzerrte (und manipulierte!) Wahrnehmung.

 

Auf jeden Fall nehme ich natürlich einen Sack Kartoffeln. Und hoffe, dass viele andere es auch tun werden.

 

🍎 Bon Appétit! 🍅

 

 

Donnerstag, 16. September 2021

HERBSCHTMORGÄ

 

Auch an meinem Frei-Tag (heute!) steh ich morgens früh auf und fahre zum Stall- mein Biorhythmus protestiert sonst postwendend. Wenn ich jetzt das Haus verlasse, ist es noch stockdunkel. Ein untrügliches Zeichen, dass der Herbst schon vor der Tür steht! Den Tag erwachen zu sehen, die feinen Nebelschwädchen über den Feldern und den Tau, der schwer und glänzend auf Allem liegt, ist eine der kleinen Freuden, die einem den Start in den Morgen zu einem kostbaren Moment machen! 

Wieder Zuhause, brühe ich mir erst mal einen Earl Grey auf. Dampfend zieht er in der schönen Keramiktasse, die ich aus dem Hausrat meiner alten Patentante "gerettet" habe. In der Stube genehmige ich mir, beleuchtet einzig durch warmes Kerzenlicht, ein feines Hefekränzchen dazu und lasse die Gedanken schweifen.  

 

 

Ich freue mich wie jedes Jahr sehr darüber, dass es nun schrittchenweise kühler wird. Ich kann diese tüppige Wärme beinahe nicht mehr ertragen. Am ersten wirklich kalten Tag des Herbstes atmet alles in mir regelrecht auf, und ich fühl mich wieder wohl in meiner Haut. Wortwörtlich.

Eine dicke, heisse Marroni-Steinpilz-Champignonsuppe haben wir schon genossen. Beim Blick aus dem Küchenfenster erkenne ich den Hagebuttenstrauch hinten in der Ecke des Gartens, der über und über voller leuchtendroter Früchtchen hängt. Meine Schwälbchen sind vor etwa 10 Tagen aufgebrochen zu ihrer lange Reise in den Süden - ich vermisse ihr fröhliches Geplapper und ihre Betriebsamkeit. Und die beiden Dicken sind inzwischen wieder beschlagen, dem ersten Ausritt steht nichts mehr im Weg.

 

🍁 Hallo Herbst! 🍂 

 

Wenn ich mir allerdings etwas wünschen dürfte von ihm: dass die Menschen wieder miteinander reden.Im Sinne von: die eigene Meinung vertreten zu dürfen, ohne sich Vorwürfen ausgesetzt zu sehen, und dabei selber immer ein wohlwollendes, offenes Ohr für sein Gegenüber zu behalten. Dass man Toleranz walten lässt im Miteinander, dass man Empathie an die Stelle von Aggressionen und Gehässigkeit setzt. Und dass man sich nicht hämisch freut, wenn ein Ungeimpfter in Quarantäne muss oder ein Geimpfter doch an Covid erkrankt.

Jeder von uns kann viel dazu beitragen, dass sich der Graben wieder schliesst, der sich gerade tief und dunkel durch unsere Gesellschaft zieht....

 

Einen fröhlichen Herbst euch allen,

ganz ❤️liche Grüsse!  🍄 

 

 

 

 

Sonntag, 5. September 2021

SALTO MORTALE.RETOUR

 

 Ach, ist das schön! Draussen erfreut einem ein wunderbarer Herbsttag (oder wollen wir ihn lieber Altweibersommer-Tag nennen? 😉) mit ganz viel Sonne und angenehmer Wärme. Und in unserem Stall ist wieder die "Normalbesetzung" eingezogen, denn wir haben gestern die Dicken abgeholt im Jura. Johnny kam sofort mit gespitzten Ohren auf mich zu und liess sich anstandslos halftern, Harry hingegen fand es voll blöd, nach hause zu fahren, vor allem, da er sich scheinbar eine kleine Stute angelacht hatte 💕. Alleine die Grösse der Weiden macht es praktisch unmöglich, ein unwilliges Pferd zu fassen zu bekommen. Wenn sich aber eine kleine, zickige Stute auch noch andauernd dazwischenstellt, einem mit angelegten Ohren droht und auch sonst für viel Unruhe sorgt, dann entwickelt sich dieses Vorhaben zu einem Ding der Unmöglichkeit. Erwischt haben wir Harry erst, nachdem wir mit Zaunband einen kleinen Paddock abgespannt hatten und ihn dort hineinmanövrieren konnten. 



 

Die Fahrt nach Hause brachten wir dann ohne Staus und zügig hinter uns. Wir sind immer mehr als glücklich, wenn wir diese Strecke ohne Zwischenfälle schaffen- bei all den Kamikazes, die da zum Teil unterwegs sind....

 

Allerdings- so ganz ohne Unfall ging der Tag dann doch nicht zu Ende. Ich hab es tatsächlich eben noch geschafft, die Heubodentreppe runterzufallen. Das Teil ist extrem "stotzig" (also steil) und ganz schmal. Irgendwie bin ich beim Hinabsteigen ausgerutscht und die ganze Treppe runtergerattert. Dabei habe ich mir an der Stallwand die rechte Schulter und den Ellbogen heftigst gestossen und mein linkes Bein so extrem verdreht, dass sich mein Fuss auf Hüfthöhe eingeklemmt zwischen der Treppe und meinem Becken befand. Wie gut dass ich, wie eine Physiotherapeutin mir mal bestätigte, total überbeweglich bin.... Bein und Fuss blieben heil, aber meine rechte Schulter schmerzt höllisch beim Bewegen, und ich hab mehrere tiefe Schürfwunden davongetragen.

 

Achtung: Zartbesaitete Augen zu und gleich weiterscrollen! 😉

 


 

Naja. Ich bin froh, nicht vorwärts gefallen zu sein, denn DAS hätte wahrscheinlich noch weitaus schlimmere Verletzungen nach sich gezogen.....Wie auch immer: Glück gehabt! 🍀 (und ein paar gute Geister in der Nähe, die noch schadenmildernd eingegriffen haben!) 


Jetzt freu ich mich auf den ersten Ausritt. Vorher dürfen die Jungs aber noch die Weide abgrasen, erst dann werden sie beschlagen. Übernächste Woche gehts wieder los! (Und bis dahin sollten auch meine morschen Knochen wieder heile sein...)


Fröhlichen Sonntag,

meine Lieben,

ganz ❤️liche Grüsse!




Sonntag, 29. August 2021

ERFOLG.REICH!

Das alte Frauchen näherte sich etwas schüchtern meinem Flohmarktstand, blickte über das Angebot und entdeckte die beige Damenhandtasche. Vorsichtig nahm sie das Teil in die Hand und begutachtete es- praktisch neu und ohne jeden Makel schien es ihrer Prüfung standzuhalten. Das Frauchen erkundigte sich, was die Tasche denn kosten solle? Ich nannte ihm einen Preis, worauf es zusammenzuckte. Ich dachte schon, dass es zuviel wäre für sie (obwohl ich absichtlich wirklich nur ein paar Fränkli aufgerufen hatte!), aber dann glitt ein Lächeln über sein Gesicht und es strahlte: "So wenig? Oh, dann nehme ich sie sehr gerne!"

Sprachs, bezahlte und schritt mit der Handtasche davon.

Das sind Momente, die einfach Freude machen. Ich hätte bestimmt deutlich mehr verlangen können; aber ich konnte dem Frauchen ansehen, wie gern es die Tasche haben würde- was machen mir da ein paar Fränkli aus?

 

*Tasche vorne rechts!*

 

Sowieso, der Tag war wieder mal ein voller Erfolg. Es blieb (entgegen der Vorhersagen!) die ganze Zeit über trocken, obwohl dicke Wolken wie grau-weisse Plumeaus vor unseren Bergen hingen und es, zumindest frühmorgens, noch recht kühl war. Aber die Sonne kämpfte sich immer wieder durch und sorgte für Temperaturen, die sich mit einer Strickjacke und einem kuschligen Schal um den Hals höchst angenehm aussitzen liessen.

Wie immer waren Heerscharen von (fröhlichen!) Menschen unterwegs, kauflustig und offensichtlich hocherfreut, wieder mal an einem öffentlichen Anlass teilnehmen zu können. Ich bekam manches Kompliment ("Ach- sie haben immer so tolle Sachen!" oder "Genau so einen Stand wie sie möchte ich auch mal haben. Mit auserlesenen, schönen Dingen!"), und auch meine "Stammkundschaft" erschien treu wie jedes Jahr.

Abends kam ich mit vielleicht 20% der Sachen wieder nach hause, und auch finaziell hat sich der Tag mehr als gelohnt. Ganz abgesehen vom Effekt nachhaltigen Handelns, der sich auch diesmal zu 100% eingestellt hatte. 😊 

 

Kommt gut in die neue Woche,

meine Lieben,

ganz ❤️liche Grüsse! 

 

 

 

Sonntag, 22. August 2021

ES DREHT

Merkt ihr es auch? Es dreht langsam. Ein paar untrügliche Zeichen deuten an, dass der Sommer sich peu à peu seinem Ende zuneigt. Nicht nur kalendarisch- auch die Natur verändert sich. Vorgestern Morgen beim Weg zum Stall waberten schon kleine Nebelschwaden übers Riedland. Es wird später hell und früher dunkel. Und die ersten Blätter an Bäumen und Büschen weisen bereits zarte Gelb- und Orangetöne auf. 

 


 

 Ebenfalls ein deutlicher Hinweis: in zwei Wochen kommen schon die Dicken wieder retour! Verrückt, wie schnell die Zeit wieder vergangen ist. Gestern haben wir deshalb mit vereinten Kräften den Stall auf Vordermann gebracht; er hatte es dringend nötig! Erstaunlich, wie schnell so ein Stall "verlottert", wenn nicht mehr regelmässig der Besen geschwungen wird. HerrHummel, meine beiden Schwestern und deren Töchter und ich rückten mit Besen, Lappen und Seifenwasser bewaffnet Unmengen von Spinnweben, Staub und Sand zu Leibe. Nach 2 Stunden waren die Räume kaum wiederzuerkennen. Es macht mich immer sehr zufrieden, wenn wieder was geschafft ist! Jetzt muss ich in der Sattelkammer nur noch die beiden Materialschränke ausmisten, dann ist das Werk vollbracht.

 

Lust, den Sommer kulinarisch noch ein wenig hinauszuziehen?

Dann versucht es mal mit diesem Rezept. Ich hab noch selten eine sooo feine Pastasauce hinbekommen:

🍅 Baked Feta- Pasta 🍅


Schneidet rote Zwiebeln und Knoblauch klein, gebt sie mit Cherrytomaten in eine feuerfeste Form und giesst einen ordentlichen Schluck gutes Olivenöl drüber. Darauf kommt zerbröckelter Feta, ihr bestreut das Ganze mit ein wenig Zucker, einer guten Handvoll kleingeschnittenen Kräutern ganz nach Geschmack, Salz, Pfeffer und zuletzt noch mit dem Abrieb einer Biozitrone. Abgerundet wird mit ein wenig Olivenöl obendrüber. 

Das Ganze schiebt ihr für 40 Minuten in den auf 200° vorgeheizten Ofen. Es empfiehlt sich, bei etwa Halbzeit die Form ein wenig abzudecken, damit der Feta nicht zu dunkel wird.

Zum Schluss werden die Tomaten grob mit einem Löffel zerdrückt, mit dem cremig zerlaufenen Feta gemischt und über die (Urdinkel)Pasta gegeben. Es schmeckt grossartig,

 

bon appétit!

🍝🍝🍝

 


  

Auf in die letzte Sommer- und Ferienwoche, einen wunderbaren Sonntag wünsche ich euch!


Ganz ❤️liche 🐝-Grüsse!




Dienstag, 10. August 2021

EIGENTLICH EIN SCHÖNER TAG

 So. Jetzt zeigt der Sommer, was er kann! Die Sonne steht tatsächlich schon den 2ten Tag am blitzblauen Himmel, (noch) ist es angenehm warm. Das soll sich allerdings ändern- fürs WE sind bis zu 32° angesagt. Puuuhhhh.....😅

Aber naja. Wir haben ja Ferien (herrrrliiiiich!!)und können die Hitze aussperren, wenn wir das wollen.

Gestern allerdings fuhren wir ins Berner Oberland nach Interlaken. Nicht, weil wir so begeistert davon wären, uns ins touristische Getümmel zu stürzen, sondern weil es dort eine wirklich grandiose Kleintierpraxis gibt. Wir wollten die Gelegenheit nutzen, um Amélie und Molly dort vorzustellen. Amélie leidet schon eine Weile unter starker Schleimbildung im Rachen, die auch nach 2maliger Behandlung beim hiesigen TA nicht besserte. Und Molly erbrach in letzter Zeit häufig, z.T. auch mit kleinen Blutbeimengungen.

Wir gaben die beiden Madamchen morgens um 10 in beste Hände ab. Abholen konnten wir sie erst um 14 Uhr wieder, also fuhren wir ein paar Ortschaften weiter in ein wirklich empfehlenswertes Restaurant. 

(Da'sch e super Tipp gsi, 

Ursula!! 👍)

Dort sassen wir im liebevoll hergerichteten Garten mit Blick auf die Berner Alpen und einen kleinen See.

 


 Wir bestellten beide das Tagesmenue (gleich mit beiden Vorspeisen! 😋)und waren begeistert, wie gut es schmeckte. Da steht jemand mit Können und Herzblut am Herd! Spinatcrèmesuppe, ein gemischter Salat, Hackbraten mit Härdöpfustock und Gemüse für HerrnHummel, Härdöpfustockgratin mit Gemüse und Ei für mich. LECKER!!


 Auch innendrinn wurde das Restaurant mit sicherer Hand eingerichtet: rustikal, mit viel knorrigem Holz, und doch mit einem modernen Thrill.

In die Toilette habe ich mich direkt verliebt- sowas könnte ich mir auch zuhause absolut vorstellen!


Und die Madamchen?

Tja. Amélie hat tatsächlich Katzenschnupfen. Das ist kein Weltuntergang- sie bekommt jetzt eine Weile Schleimlöser, ein Antibiotika und hinterher einen Zusatz ins Futter (Echinacea), um die Immunabwehr zu stärken. Los wird sie den Schnupfen nicht mehr, aber umbringen wird er sie auch nicht.

Molly hingegen leidet an einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung), das hatte ich schon vermutet. Schlimmer ist, dass sie jetzt auch diabetische Zuckerwerte aufweist. Noch sind die Werte nicht beunruhigend. Die TÄ meinte, dass wir die mit einem Diabetesfutter in Griff bekommen und die Werte sogar wieder zurückgehen sollten. Hoffen wirs! Gegen die Gastritis bekommt Molly nun 3 Wochen lang einen Säureblocker, damit sollte zumindest dieser Teil erledigt sein.  

Naja- bei Tieren ist das halt auch nicht anders als bei uns Menschen. Werden sie älter, fangen die Probleme an....

 

Eine ☀️ schöne ☀️ Woche euch,

❤️liche Grüsse!  




Montag, 2. August 2021

ACHSO.......

Gestern Morgen an der Tanke.

Wir sitzen gemütlich an einem der 3 Tischchen, süffeln unsern Milchkaffee und mampfen vergnügt ein Brötchen dazu.

Am Nebentisch 2 Männer, vielleicht so um die 40 Jahre rum. Über die Wetterkapriolen kommen die beiden auf den Klimawandel zu sprechen.

Meint der eine:

"Weisch, wohäre de Klimawandel chund??"

(Weisst du, woher der Klimawandel rührt?)

Der andere:

"Hm?"

"Vo de Flugziig!" 

(Wegen der Flugzeuge!)

"Ahja?"

"Ja logisch! Das ganze Gfasel wäg Heizige, em Verchehr, de Induschtrie etc. isch absoluitä Bleedsinn."

(Ja logisch! Das ganze Gefasel wegen Heizungen, Verkehr, Industrie etc. ist völliger Blödsinn.) 

"Will sit em Lockdown fascht kä Vercherhsflugziig meh am Himmel sind, wird d'Athmosphäre det obä nimmä verwirbled, drum bliebid d'Rägewolke oder Hitzegebiet a de Stell stah, chemid nimmä vorwärts und verursachid so die heftigä Niderschläg oder d'Hitzewälle!"

(Weil seit dem Lockdown beinahe keine Verkehrsflugzeuge mehr am Himmel sind wird die Athmosphäre dort oben nicht mehr verwirbelt. Deshalb bleiben die Regenwolken oder die heisse Luft an Ort und Stelle stehen, werden nicht mehr vorwärts geschoben und verursachen so diese heftigen Niederschläge oder Hitzewellen).

"Meinsch?"

(Denkst du?)

"Aber sicher! Alles anderä isch Volksverbleedig und erfundä!"

(Alles andere ist Volksverblödung und reine Erfindung!).

 


 

 

Mir blieb beinahe mein Laugenbrötchen im Hals stecken, und ich wusste wirklich nicht, ob ich losheulen oder in einen hysterischen Lachflash verfallen sollte.

Denn das wirklich Unglaubliche an diesem kruden Erklärungsversuch war:

 

DER TYP MEINTE DAS TODERNST! 


OhhhhhhMannnn.........

Jetzt wundert mich gar nix mehr.


Samstag, 17. Juli 2021

VERDICHTET

 

 

Puuuhhhhh.....

Das Gröbste haben wir, denke ich, geschafft. Und sind wohl nochmal mit einem blauen Auge davongekommen. Wir hatten viel mehr Glück als jene Menschen, die von Jetzt auf Gleich ALLES, im schlimmsten Fall sogar ihr Leben, verloren haben.....

Auch hier ergiessen sich die Gewässer weiterhin in Städte und Ortschaften, es gab Murgänge (und es werden voraussichtlich nicht die letzten gewesen sein), Steinlawinen legten Bahngleise und Strassen lahm, Weiden verwandelten sich in Teiche.

Aber im Grossen und Ganzen hatten wir (zumindest hier in der Umgebung!) Glück. ManitouseiDank werden die kommenden Tage trocken(er) und sonnig(er), die Situation kommt langsam zur Ruhe.

Die Konsequenzen aus dem weiter fortschreitenden (und immer noch gerne geleugneten!) Klimawandel sind unübersehbar. Aber der ist nicht alleine Schuld am Schlam(m)assel: Bebauung (also Versiegelung) und die Verdichtung der Böden tragen auch sehr viel dazu bei, dass solche Regenmassen wie eben erlebt nicht mehr versickern können.

Ich konnte das wieder selbst anhand meiner Weide und denen ringsum erleben:

Auf meiner Weide ist seit mindestens 15 Jahren kein Traktor oder Ähnliches mehr gefahren. Dieser Umstand, also dass das Erdreich nicht mehr durch die schweren Maschinen regelmässig zusammengepresst wird, und wohl auch der wilde Bewuchs mit allem, was auf eine NATÜRLICHE Magerwiese gehört, hat offensichtlich dafür gesorgt, dass auf diesem Stück Land nicht eine einzige Pfütze stand. Auf den Weiden ringsum sammelte sich das Wasser zu riesigen Teichen an die sich, auch nach eineinhalb Tagen mit soviel wie keinem Niederschlag mehr, immer noch nicht zurückgebildet haben.  

DAS ist mir Beweis genug......

Kommen wir vielleicht jetzt endlich mal in die Gänge?.....

 

Während der grauen Regentage habe ich gern ein wenig in meinem Journal gearbeitet. Es wird je länger, je mehr eines, in dem ich kleine Erinnerungsstücke verarbeite und aufbewahre und sie mir so immer wieder anschauen kann.

Mein letztes "Werk" ist ein grosses Foto von mir als ganz kleine Hummel im Garten meiner Oma. Scheinbar konnte ich mich schon damals für irgendwas begeistern, was da im Grünen summte oder krabbelte. 😊

 

 

Zum Foto, welches ich teilen musste, habe ich eine kleine Einstecktasche kombiniert, die ich aus Papier und passendem Stoffband gebastelt habe. Darin steckt nun ein Mäppchen mit Sichtfenster, welches 3 Locken enthält, die mir meine Mutti im Alter von etwa 1 1/2 Jahren geschnitten hat. 

 


Und eine Zeichnung, die ich im Alter von 2 1/2 Jahren zu Papier brachte. Mein Daddy hat damals die ganze Geschichte nach meinen Anweisungen beschriftet- dieses kleine Alien links mit dem Totenschädelchen war also ein Selbstportrait, *ggg*!

 


 

Wie schön, dass meine Eltern solche Dinge für mich aufbewahrt haben! Und dank meines Journals kann ich sie nun immer mal wieder angucken und mich freuen....(Und ein bisschen rosa musste jetzt einfach sein! 😄)

 

Fröhlichen Sonntag, meine Lieben,

haltet euch trocken! 🌂 

 

 

 


Sonntag, 11. Juli 2021

z'ALP


Wenn wir hier schon mal in Erinnerungen schwelgen, dann häng ich doch gleich noch eine dran!

Sommer. Zwar nicht meine liebste Jahreszeit, aber eine, die schöne Bilder in mein Gedächtnis holt.

Unsere Sommerferien verbachten wir in meiner Jugendzeit immer auf der Alp. Ich war knapp 3 Monate alt, als ich das erste Mal Alpluft schnupperte. Von da an ging es jeden Sommer für 3 Wochen hoch auf etwa 1250 m.ü.M., in dieses kleine, einfache, sonnenverbrannte Holzhäuschen. Mitten auf einer riesigen Bergweide stand es, nur ein paar Meter entfernt vom dunklen, dichten Wald und der kleinen, weissen Kapelle. Es gab keinen Strom, kein Bad, einen Holzfeuerherd und ein Plumpsklo. Dafür einen Erdkeller, der als riesiger Kühlschrank diente und in dem sich Lebensmittel ewig hielten, und einen Brunnen vor dem Haus.

Man hatte einen unglaublichen Ausblick: das ganze Obwaldnerländli breitete sich vor einem aus, der See leuchtete türksblau, die Dörfer zu Füssen unserer Berge lagen, eingebettet in sattes Grün, rundum an seinen Ufern.

 

 

Alleine schon die Vorbereitungen auf diesen Aufenthalt waren aufregend. Mutti packte Lebensmittel, Küchenutensilien, Bettzeug und Klamotten ein. Wir unsere Bücher, Mal- und ein paar Spielsachen. Dann kam der Vater meiner Tante mit seinem alten Landrover, das ganze Gedöhns wurde hinten eingeladen, und diejenige von uns, die das Glück hatte, durfte vorne in der Fahrerkabine mitfahren. Der Rest folgte der fröhlichen Fuhre im Renault meines Daddys.

Nachdem wir alle viele Höhenmeter über enge Haarnadelkurven hinter uns gebracht hatten und quer über die Alp gerumpelt waren (damals gabs dort noch keine oder wenn, dann ganz zerkarrte, ausgespülte Strässchen!), war es immer ein besonderer Moment, wenn sich die knarrende zweigeteilte Tür des Häuschens das erste Mal öffnete. An den Geruch, der einem dann entgegenschlug, kann ich mich heute noch erinnern: es war eine Mischung von altem Holz, Feuerrauch und ein ganz kleines bisschen nach Güllengrube, die hinter dem Haus lag. Von der Minute an warteten viele Tage Freiheit, Natur pur und kaum gesetzte Grenzen auf uns!

Morgens erwachten wir erst durch das Geräusch, wenn Mutti unten in der Küche die kalte Asche im Holzherd in die Ascheschublade runterrüttelte. Dann hörte man die Scheite knacken, der Duft von Feuer zog durchs Häuschen, und wir schälten uns gähnend aus den Federn. Als erstes wuschen wir uns draussen am Brunnen mit eiskaltem Bergwasser, bevor wir uns in der Stube an den Tisch zum Frühstück setzten. 

Die Tage verbachten wir mit allem, wozu wir grade Lust hatten. Lasen oder dösten in der Sonne, kletterten auf die riesige Tanne, die alleine mitten auf der Weide stand, ober besuchten die Kinder in den andern paar Häuschen, die verteilt auf der ganzen Alp lagen.

 


 

Sonnebrand holten wir uns damals so gut wie nie. Wir wurden zwar alle ab und zu mit "Sherpa Tensing" Sonnencreme eingerieben, auch wenn die Intensität der Strahlen damals noch nicht so gross war wie heutzutage. Trotzdem kamen wir schlussendlich immer braungebrannt nach hause.

Mittags und abends läuteten wir mit Inbrunst das Glöckchen in der Kapelle, und vor dem Abendbrot machten wir uns gemeinsam auf, um in der Sennhütte schaumige Milch frisch ab Kuh, goldgelbe Butter und wunderbar würzigen Alpkäse zu holen. 

Daddy fuhr vielleicht ein Mal die Woche "z'Bodä", um Lebensmittel einzukaufen, ab und zu gabs Besuch von Verwandten; ansonsten blieb die Zivilisation aussen vor. 

Das Leben dort oben war beschaulich und sehr nah an der Natur. Das zeigte sich auch deutlich bei Wetterumschwüngen: manchmal stand der Nebel so dicht am Haus, dass man sich darin leicht verirren konnte (was mir tatsächlich mal passierte!), die Gewitter waren beispiellos. Man bekam mitunter das Gefühl, dass gleich die Welt untergeht: der Donner grollte so laut, dass das Häuschen erbebte, grelle Blitze zuckten und schlugen nicht selten in den mächtigen Giswilerstock, der sich hinter dem Haus schratig erhob. Mutti machte dann immer alle Schoten dicht, und unser Schäferhund Mido quetschte sich zitternd unter ein Bett.

Aber so unvermittelt, wie so ein Unwetter aufziehen konnte, so schnell verschwand es auch wieder und machte der Sonne Platz. 

Viel zu rasch ging diese zwanglose Zeit immer vorbei! Ich weiss noch: Wieder zurück im Dorf wunderte ich mich jedes Mal über das grosse Badezimmer mit den kühlen Bodenfliesen oder über Licht per Knopfdruck (auf der Alp musste man abends Gaslampen entzünden). Wenn ich aber das Geläut der Kirchenglocken das erste Mal hörte fühlte ich mich dann doch wieder so richtig zuhause....

Leider hat meine Tante dieses Häuschen irgendwann abgegeben. Zu gerne würde ich auch heute noch regelmässig ein paar Tage dort oben verbringen- und ich erinnere mich daran, dass ich mir schon als Kind damals gewünscht habe, permanent in diesem Häuschen leben zu können. Und wie ich es im Geist schon mal entsprechend umgestaltet und eingerichtet habe.

Das Angebot, dort leben zu dürfen, müsste man mir auch heutzutage nur ein einziges Mal machen..... 😊


Fröhlichen Sonntag, 

meine Lieben! ❤️

 

Sonntag, 4. Juli 2021

 

"Menschen mit Persönlichkeit

findet man immer ausserhalb

des Rudels!"

 

Punkt. Eigentlich bedarf das keiner Ergänzung- aber wär doch jetzt irgendwie blöd, wenn DAS schon mein ganzer Post gewesen wäre, nichtwahr? 😄

Also doch noch ein paar Sätze mehr zum Thema.

Wenn ich mich zurückerinnere, dann hab ich schon in meiner Schulzeit immer die Menschen angezogen, die irgendwie aus dem Raster fielen. 

Da war zum Beispiel Doris (*). Sie kam aus einer Familie, die zu knapsen hatte. Ihr Vater war äusserst streng (ich durfte sie zum Beispiel nie zuhause besuchen, und ich fragte mich ausserdem immer, ob sie was von ihm zu befürchten hatte.....) Die Mutter, still und unterwürfig, hatte wohl auch nichts zu sagen. Aber ich freundete mich mit Doris an, wir waren uns recht ähnlich. Und ich setzte mich für sie ein, wenn die Mitschüler sie mal wieder mobbten. Sie war eine der ganz Wenigen in unserer Klasse, die ein Moped besass. Und damit durfte ich ab und zu eine Runde auf dem Pausenplatz drehen. DAS war damals ein grosser Freundschaftsbeweis! Leider habe ich sie seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Es würde mich sehr interessieren, was aus ihr geworden ist!

Oder Manuela.(*)Sie lebte in einem grossen, alten Haus am Dorfrand. Sie durfte ich zwar besuchen, aber dieses Haus fand ich immer ein wenig spooky, die hohen Räume im Innern waren immer abgedunkelt. Ausserdem roch es dort sehr seltsam.

Manuela wollte Sängerin werden- und wurde deshalb natürlich von ihren Klassenkameraden verspottet. Das hinderte sie nicht daran, bei jeder Gelegenheit fröhlich ein kleines Ständchen vor versammelter Mannschaft zu trällern. Und was soll ich sagen: Sie bestreitet heute einen Teil ihres Lebensunterhaltes als Schlagersängerin. So kanns gehen!

Und dann Diane (Deiäään!). Sie zog als Teeny mit ihrer geschiedenen Mutter aus den USA in unser Dorf. Alleine das war natürlich furchtbar interessant. Aber ausserdem verband uns unsere grosse Tierliebe. Deiäään malte in mein Poesiebuch (so ein richtiges, wo man die Seiten noch selber gestalten musste und nicht einfach vorgedruckte Fragen beantworten und ein Selfie einkleben konnte!) mit Neocolor eine sehr naturgetreue Taube mit einem Verband am Flügel. Und schrieb einen Spruch dazu, irgendwie so im Sinne von:

 

"Nur tierliebe Menschen

sind gute Menschen!"  

 

Deiäään beklebte mit Vorliebe kleine Plastiktierchen mit buntem Glitter. Ich bekam einen Glitzerfisch von ihr und war mächtig stolz. Warum es gerade ein Fisch sein musste entzog sich meiner Erkenntnis- aber das war mir egal!

Irgendwann verschwand Deiäään wieder mit ihrer Mutter- ich habe nie erfahren, wohin es sie verschlagen hat. Und das Poesiealbum ist leider im Laufe der Jahre auch irgendwo auf der Strecke geblieben...

                  (* Name geändert, die Red.) 

 

Auch heutzutage gibt es- ausserhalb meiner Familie- nur ganz wenige Menschen, in deren Gegenwart ich mich wirklich wohl fühle. In der Regel sind es kreative Freigeister, die einen Lebensstil ausserhalb dessen für sich gewählt haben, was "man" so tut und "man" für angemessen hält. Sie sind unvoreingenommen, ehrlich und unkompliziert. Menschen, die mit ihrer - manchmal unbequemen!- Meinung nicht hinter dem Berg halten. Die sich einen feuchten Kehricht drum scheren, was "man" von ihnen denkt. Und die- trotz oder gerade wegen ihrer eigenen Vorstellungen- immer offen bleiben für Andere, egal welchen "Status" sie in der Gesellschaft haben, und für Neues. 

 

So. Jetzt hab ich kein Foto von einem Glitzerfisch. 😉 Aber weil Blümchen doch immer gehen, bekommt ihr noch ein Bild von diesem wunderschönen Gesteck aufs Auge gedrückt, das mir letzten Freitag mein Arbeitgeber zu meinem 10jährigen Jubiläum verehrt hat.

Biddeschön:

 


Ich fands richtig passend. Ein Herz aus zarten, sanften Rosen, umgeben von pieksigen Getreideähren, schlichten Blümchen und Gräsern und zwanglosen Beerenranken. 

Wie eine florale Reproduktion meiner selbst...😄