Donnerstag, 19. Juli 2018

VON EINER GANZ UND GAR MAGISCHEN ENTDECKUNG....


Jeden Sommer spielt sich das immer gleiche Szenario ab: Frau Hummel mutiert zum Faultier. Aber so richtig! Die Freizeit wird beim Wort genommen, das Sofa dauerbelagert. Wenn einem ausser lesen und werkeln gar nix Gscheites mehr einfallen will, dann kann man zur Not auch mal ganz gepflegt und bequem hingefläzt ein paar Löcher in die Luft starren.... 😊

Trotzdem sollte man aber doch dann und wann die tiefenentspannten Extremitäten ein wenig in Schwung bringen, und so beschliesse ich heute am späteren Nachmittag,im Wald spazieren zu gehen.
Hänge mir die Kamera um und dackle los. 

Ich gehe aber nicht die Wege, die wir normalerweise längsreiten, sondern schlage mich querfeldein tiefer ins Gehölz.
Auf einem grossen, moosbewachsenen Stein finde ich nach einer Weile ein gemütliches Plätzchen.
Herrlich, diese friedliche Ruhe hier!

Die Vöglein zwitschen fröhlich, die Sonne schickt ihre warmen Strahlen durch das saftiggrüne Blätterdach, und ein laues Windchen fächelt mir ein wenig Erfrischung zu. Entspannt lasse ich meinen Blick schweifen... und glaube meinen Augen nicht trauen zu können.
Ungläubig stehe ich auf und gehe ein paar Schritte. Trete zu einem geknickten Baum, den der Sturm wohl irgendwann mal gefällt hat und der schon mit einer dicken Schicht Flechten bewachsen ist, und muss mich tief runterbücken um das genauer betrachten zu können, was meine Aufmerksamkeit erregt.

WAS IST DAS??

Ich bin perplex. Strecke vorsichtig einen Finger aus und kichere hysterisch da ich erwartet hatte, dass er ins Leere geht, weil da nichts als eine Hallunzination ist. Aber nein. Mein Finger tippt an feste Materie. 
Ein wenig schief und krumm steht es da, geschützt durch den alten Baum, versteckt im Wald an diesem lauschigen Plätzchen.

Ein winziges Häuschen. 
Mit allem, was dazugehört. 
Gebaut auf einer kleinen Plattform, die durch hölzerne Streben auf einem grossen Stein gehalten wird. 
Das windschiefe Dach, aus dem ein dicker, russiger Kamin ragt, ist mit braunroten Schindeln gedeckt, die kleinen Fensterchen haben behäbige Rahmen aus behauenem Holz. 



Ums Häuschen rum zieht sich ein uriger Zaun, der teilweise schon moosbewachsen ist, und neben der grünen Haustür lagert ein winzigkleiner Stapel Feuerholz.



Ich gehe ächzend auf meine morschen Knie und versuche erfolglos, durch eines der kleinen Fensterchen zu linsen; sie sind alle ziemlich blind und hätten wohl dringend eine Begegnung mit einem Putzlappen nötig.
Irgendwie komme ich mir vor wie Alice im Wunderland- nur dass da kein furchtbar geschäftiger Mümmelmann im Frack durch die Gegend rennt. Wobei ich mich inzwischen wahrscheinlich nicht mal wundern würde, wenn DER jetzt auch noch auftauchen täte.... 

Ich frage mich, wer hier wohl wohnen mag. Eine Elfe? Ein Troll? Oder irgend ein anderer kleiner Waldgeist?

Vor lauter Staunen hätte ich ums Haar vergessen, ein paar Bilder zu machen. Das glaubt mir doch sonst keiner! Als diese im Kasten sind trete ich den Rückzug an. Vorsichtig setze ich einen Fuss vor den andern- nicht, dass ich versehentlich noch den kleinen Hausbesitzer plattmache! 

Kurz bleibe ich nochmal stehen weil ich meine, ein unterdrücktes Kichern gehört zu haben. Horche angestrengt. Aber da ist nichts mehr. Und trotzdem beschleicht mich das eigenartige Gefühl dass ich beobachtet werde, bis ich den befestigten Waldweg wieder erreicht habe......