Irgendwann habe ich mir mal vorgenommen, mich in möglichst vielen alten Handwerken zu versuchen. Inzwischen habe ich auf verschiedene Weise Holz bearbeitet und Metall geschmidet, Körbe geflochten, Keramik hergestellt (auch auf der Töpferscheibe), Möbel restauriert, Kerzen gezogen und gegossen, Papier geschöpft und mich sogar am Drechseln versucht. Das alles hat mir sehr viel Spass gemacht und mir ausserdem gezeigt, wieviel Zeit und Mühe die Menschen früher in alles inverstiert haben, was im Alltag vonnöten war.
Auf meiner Liste stehen noch das Weben auf einem grossen Webstuhl, die Bearbeitung von Leder, die Buchbinderei und, sollte sich mal die Gelegenheit ergeben, das Schmieden von Silber.
Der aktuelle Post unserer Bahnwärterin, in dem ein Reifentierchen eine Rolle spielt, brachte mich auf den Gedanken, meine ersten Versuche im Drechseln mit euch zu teilen.
Vor Jahren waren hier Drechsel-Kurse ausgeschrieben, und ich wollte mich unbedingt mal damit beschäftigen. Gedacht und angemeldet!
Die Maschine, welche die Werkstücke mit um die 2000 Touren pro Minute rotieren lässt, war genauso beeindruckend wie nicht ganz ungefährlich, ebenso wie die scharfen Drechseleisen auch. Die ganz grosse Schwierigkeit bestand zu Anfang darin, die Eisen im richtigen Winkel an das wirbelnde Holzstück zu halten. War der Winkel der falsche, so verkeilte sich das Eisen, verursachte wüste Kerben im Holz und konnte einem, im schlimmsten Fall, um die Ohren fliegen. Keine wirklich erfreuliche Vorstellung!
Unser Kursleiter liess uns nach ausführlichen Erklärungen und Demonstrationen zuerst an einem kleinen Honiglöffel arbeiten. Ich erinnere mich, dass ich mich anfänglich völlig blöd angestellt habe... 🙄 Aber man darf sich nichts vormachen: Handwerk ist eine Kunst, die mit Ausdauer erlernt werden möchte. Nach einer Weile unermüdlichen Übens machte es "Klick", und das Drechseln ging einfacher von der Hand. Der Löffel konnte nach Stunden abgedreht und mit Sandpapier verschiedener Stärken fein geschliffen werden. Ein gutes Gefühl, ihn anschliessend in der Hand zu halten und zu wissen: selbstgemacht!
Dann wurde der Schwierigkeitsgrad erhöht: es stand eine kleine Schale aus Apfelholz auf dem Programm. Die hat mich dann und wann beinah verzweifeln lassen, aber wie heisst es so schön: gut Ding will Weile haben! Nach vielen Schweissperlen und zwischen den Zähnen zerquetschten Flüchen war auch sie geschafft. Wieder wurde geschliffen, poliert und zum Schluss mit einem Wachs eingelassen- ferddisch!
Gefreut habe ich mich über die Stücke- und zu wissen, dass sie durch eigene Hände entstanden sind, macht sie zu was sehr Wertvollem.
Holz ist ausserdem ein wunderbarer Werkstoff, der sich grossartig anfühlt und beim Bearbeiten herrlich duftet.
Stünde ich nochmals vor der Berufswahl, dann würde etwas Handwerkliches bestimmt ganz oben auf der Liste rangieren!
Fröhlichen 1. Apfenz,
meine Lieben!
⭐️


Oh voll schön die beiden Stücke 😍
AntwortenLöschenmit Holz arbeiten mag ich auch unglaublich gerne und hab es als Kind schon gelernt, sowohl vom Opa und auch in der Schule. Ne Zeit lang gab es auch Nachmittags Kurse im Freizeitheim, da bin ich auch gern hingegegangen. Drechseln war leider nicht dabei, aber ok.
Hab einen schönen 1.Apfenz, herzliche Grüße!
Danke!
LöschenMein Daddy war ja Lehrer und hat auch Werkunterricht erteilt. Da durften wir dann und wann mal mit in die Werkstatt und lernen, wie man Holz sägt und schleift, Metallteller treibt und punziert etc., nur zusammengeschweisst hat er die Dinge am Schluss dann doch lieber selber..... 🤓 Hier gibt es noch so einige gerngemochte, handgemachte Stücke!
Ebenfalls, herzliche Grüsse!
ha - endlich zeigst du uns mal deine schönen werkstücke!!
AntwortenLöschen(danke und gerngeschehen :-D)
ich kann mir die anfangsschwierigkeiten gut vorstellen - zumal das holz ja auchnoch so seine eigenheiten hat...... der honiglöffel ist wirklich schön mit den extra gnubbels am stiel - aber diese schale ist einfach zauberhaft!! <3 man möchte sie gleich nehmen, seine hände drum schmiegen, die feine oberfläche spüren - perfekte proportionen übrigens!
und eben weil die menschen soviel mühe in die dinge stecken mussten, haben sie sie mehr geachtet. auch die gekauften übrigens - die waren eben für unsere verhältnisse heute unfassbar teuer. aber dieser westliche wohlstand und die billigproduktionen haben das gefühl für wertigkeit total verschoben - in die komplett falsche richtung!
zum trost bitte jogurt mit walnüssen und honig :-D
<3 <3 <3 xxxxx
Dein Post war sehr animierend! 😊
LöschenDa sagst du was- eine Verwachsung, und das Drechseleisen verselbstständigt sich.....
Die Oberfläche der Schale ist ganz samtweich, hab ja auch lange genug daran herumgeschliffen, mit immer feiner werdendem Schleifpapier! Und die Maserung ist einfach wunderschön.
Es ist traurig, dass man die Dinge heutzutage oft so wenig wertschätzt, sie wegschmeisst beim kleinsten Schaden und sich einfach neue holt. Das wird sich noch rächen, da bin ich mir sicher- und dann wird das eine harte Lehre für alle, die nie gelernt haben, dass Ressourcen nicht unendlich sind und man mit Geld dann eben nicht mehr schnell-schnell alles kaufen kann. Tja.
Aber bitte gern, setz dich an' Tisch! (Hast du übrigens das Schild am Honig gesehen? Witzig, wirklich! 😁)
Hummelz♥️ensdrücker zum Sonntagabend!