Sonntag, 24. Oktober 2021

BAUKE FRAGT

Bauke schrieb in einem Kommentar auf Méas Blog folgendes:

 

"Ich wüsste gerne mal worin der Unterschied besteht zwischen
Menschen, die Angst haben zuviel zu besitzen, und denen die Angst
haben, zu wenig zu besitzen bzw. die mit ihren Sachen, auch wenns
viele sind, glücklich leben. 

Ich grübel da oft drüber nach...

Vielleicht liest das ja auch Frau Hummel und kann dazu was schreiben."

 

Sie hat es gelesen, und ohja- sie kann was dazu schreiben! 😄

Ich versuche, mich kurz zu fassen, denn das Thema ist umfangreich und geht in alle Lebensbereiche. Aber da ich weiss, dass hier sowieso wahrscheinlich nur Menschen mitlesen, die sich für diese Themen interessieren, darfs dann auch ein wenig mehr sein...

 

Natürlich sind Begriffe wie "Minimalismus" und "Nachhaltigkeit" (die ja eigentlich untrennbar zusammengehören) inzwischen (leider!)schon total abgekaut. Sobald sich der Mainstream drum kümmert geht in der Regel die ursprüngliche Aussage eines Themas verloren. Es wird zu einem "Hype" degradiert, und dabei bleiben schlussendlich nur die Menschen, die nicht nur mitgemacht, sondern es sich zur Lebenseinstellung gemacht haben.  

Die Angst, zuwenig zu haben, findet man wohl grob unterteilt bei zwei Sorten von Menschen:

 

➽ bei denen, die wirklich am Rande der Armut leben und sich tatsächlich kaum das Lebensnotwendige leisten können

 

oder

 

➽ bei denen die meinen, ohne den Besitz einer Vielzahl von (von der Werbeindustrie als unabdingbar suggerierten) Konsumgütern nicht vor den Augen der Mitmenschen bestehen zu können. Sie definieren sich und ihr Ansehen über ihren Besitz- und genau diese (von einem latenten Mangel an Selbstbewusstsein geprägten) Einstellung wird von der Werbeindustrie (die sowohl der gezielten und bewussten als auch der indirekten und unbewussten Beeinflussung des Menschen zu meist kommerziellen Zwecken dient) natürlich schamlos befeuert. 

Diese Menschen scheinen vordergründig glücklich zu sein mit ihrem Zuviel an Konsum und Dingen- dass sie aber andauernd wieder konsumieren (müssen) spricht meiner Meinung nach eine deutliche Sprache....

 

Kommen wir zu der Spezies, die Angst hat zuviel zu besitzen

Meiner Auffassung nach ist das der falsche Ausdruck (und ich kann ja sowieso nur aus meinem eigenen Fokus argumentieren, nichtwahr?). Diese Menschen haben in der Regel nicht Angst, zuviel zu besitzen. Aber sie machen sich Gedanken dazu, wieviel Raubbau wir unserem schönen Planeten noch zumuten können und dürfen, wieviel für ein glückliches Leben überhaupt nötig ist und was denn die Essenz dessen tatsächlich ausmacht. Sie lassen sich ausserdem auch kaum manipulieren (siehe oben) und beziehen ihre Werte nicht aus dem, was sie haben, sondern aus dem, was sie sind, aus ihren sozialen Beziehungen, der Natur etc.

Minimalismus zu leben bedeutet aber nicht nur, sich von überflüssigem Materiellem zu trennen oder seinen eigenen Konsum sehr genau zu hinterfragen und zu steuern. Es kann genauso gut heissen, sich von belastenden Beziehungen und Verpflichtungen zu verabschieden. Alles, was einem schlussendlich nicht gut tut, einem zuviel Energie abverlangt oder einem sogar blockieren kann, kommt sozusagen in die höchstpersönliche Lebens-Liquidation. Das ist nicht immer einfach und bequem, aber es ist in der Regel sehr befreiend und generiert Raum und Zeit für alles, was einem wertvoll ist.

Grundsätzlich sorgt ein auf das Essentielle reduzierter Lebensstil so ganz by the way noch für einen sehr angenehmen Nebeneffekt: weil man deutlich weniger Geld braucht kann man u.U. gleich auch noch sein Arbeitspensum reduzieren. Und das ist definitiv nicht zu verachten, n'est-ce pas?  

 

Wie gesagt: ich kann nur aus meiner eigenen Perspektive argumentieren. Es wird wohl so viele verschiedene Arten von Minimalismus geben wie es Menschen gibt, die ihn leben.

Ein paar Schritte retour aber zu einem deutlichen "Weniger ist mehr" (Himmel, auch so eine abgelutschte Phrase- und doch nach wie vor substanziell!) wird eine unausweichliche Konsequenz sein, um diesen Planeten und die Menschheit vor einem düsteren Zukunftsszenario zu bewahren.....

 

Es gäbe noch so viel zu schreiben zu diesem Thema- aber ich hoffe, ich konnte deine Grübelei ein wenig aufhellen, liebe Bauke? 😉

 

Einen wunderschönen 

🍁 Herbstsonntag 🍂 

euch allen,

 

❤️lichste Hummelzgrüsse!