Mittwoch, 16. November 2016

GEDANKEN.WORTE.TEXT

DENKEN UM ZU SCHREIBEN UM ZU DENKEN
Manfred Hinrich, Philosoph


Manchmal geben ein paar einfache Worte sehr exakt das wieder, was man empfindet. Dieses Zitat von Manfred Hinrich, bestehend aus vier simplen Worten, drückt so haargenau das aus, was das Schreiben für mich bedeutet, dass ich im ersten Moment ziemlich perplex war. Musste es nochmal und nochmal lesen, nur um immer wieder zur Erkenntnis zu gelangen: Besser könnte man es nicht ausdrücken!

Manchmal kullern in meinem Kopf kleine bunte Bällchen herum. Eindrücke, Empfindungen, Wortfetzen sind es meist nur, empfangen von meinen Hirnantennen im Laufe eines Tages, ungeordnet und wirr. 
Aber intensiv sind sie und lassen mich somit auch nicht mehr los. Doch in dieser Form kann man mit ihnen nicht sehr viel anfangen; sie sind weder substanziell noch ergeben sie einen tieferen Sinn.
Wenn ich mich also nur in Gedanken mit diesen Sinneseindrücken beschäftigen würde, so hätten sie wohl die Konsistenz von zähem Fleisch; ich würde sie hin- und herschieben zwischen meinen geistigen Kauwerkzeugen und käme kaum zu Rande mit ihnen.

Sobald ich mich aber hinsetze und sie in Worte zu fassen versuche, nehmen meine Gedanken plötzlich Gestalt an. Beim Versuch, diese Emotionen in den treffendsten Ausdruck zu kleiden reihen sie sich brav auf und marschieren flott in eine Richtung, wie kleine Wort-Soldaten. Worte, die zusammen einen Sinn ergeben, die zusammengehören und voneinander abhängig sind fassen sich an den Händen und bilden sinnvolle Sätze. Und diese Sätze wiederum leiten und führen meine Gedanken, ordnen sie und und geben ihnen einen Platz. Sie formen Bilder in meinem Kopf, verleihen ihnen Farbe und Kontur.


Wenn ich mir hinterher den verfassten Text immer wieder durchlese, an Formulierung und Stil feile, die Ausdrucksform zu optimieren versuche um eine gedankliche Einheit zu schaffen erkenne ich oft auch, dass das Geschriebene neue Denkanstösse erzeugt. 
Plötzlich verknüpfen sich diese neugeschaffenen Bilder mit den älteren, die in meinem Kopf abgespeichert sind. Sie regen zu ungewöhnlichen Gedankengängen an, hinterfragen und analysieren. 

Schreiben ist also nicht nur Mittel zum Zweck; Schreiben gibt einem die Gelegenheit, sich sehr intensiv mit der Welt, in der man lebt, und den eigenen Gedankengängen zu befassen. Wenn man sich per geschriebenem Wort damit auseinandersetzt, sie versucht zu artikulieren, so wird das auch die eigene Empfindsamkeit und Intuition beeinflussen.

Worte können leere Phrasen sein. Sie können unser Dasein aber auch nachhaltig prägen. Seitdem ich (auch bedingt durch das Bloggen!) wieder viel mehr und regelmässig schreibe glaube ich doch, deutlich emotionaler geworden zu sein, in einem erfreulichen Sinne.

Mehr denken um viel zu schreiben um erneut zu denken.....

Und wer jetzt denkt "Abba jetzt hat die wohl einen an der Waffel, die Hummel!":

Nö. Glaub ich nicht! 
Aber manchmal müssen sie raus, die Gedanken. Damit es Platz für neue gibt! 😊

Habt einen schönen Tag, liebe Grüsse!







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Dienstag, 1. November 2016

JJ

 Seit heute bleibt dein kleines 
Heunestchen verwaist.
Nie wieder wirst du uns mit deinen
bernsteingelben, sanften Augen anstrahlen,
und wir werden vergeblich darauf warten, 
dass du uns mit einem Köpfchenstupser
im Stall begrüsst.
Deine kleinen Mietzchenfreunde,
die so fasziniert waren von dir,
für die du Papaersatz warst,
werden dich bestimmt sehr vermissen. 



Lieber kleiner Hoflöwe JJ,
du wurdest nur dreieinhalb Jahre alt.

Letzte Nacht wolltest du im falschen
Moment die Strasse überqueren.

Wir sind so traurig!

***

Sonntag, 30. Oktober 2016

WONNIG.WOHLIG.SCHÖN!

Fühlt ihr es auch? Alles kommt jetzt zur Ruhe. Die Natur vor allem. Sie beschenkt uns momentan mit wunderbar stimmungsvollen Bildern. Fröhlichbuntes Laub, das lautlos sich vom Baum löst und mit sanftem Schwung zu Boden gleitet. Zarte Nebelfetzchen, die sich zwischen die Bäume spannen und an die Gebirgszüge schmiegen. Oder traumhafte Sonnenuntergänge, die Landschaft mit goldenem Glanz umhüllend, mystisch und theateralisch zugleich.


Gestern Abend vor unserem Stubenfenster

Aber auch der Mensch kehrt ein. Er widmet sich wieder mehr dem häuslichen Leben, macht es sich gemütlich und und wendet sich mussevollen Beschäftigungen zu. Liest, werkelt, gibt sich seinen Gedanken hin. 
Adieu, ihr Tage der geschäftigen Rastlosigkeit während der warmen Jahreszeit! 

Die Natur macht es uns in gemächlichem Rhythmus vor: Ohne grosszügige Ruhephasen gibt es kein Gedeihen und Wachsen. Alles hat seine Zeit. Und wer sich diesem natürlichen Rhythmus verweigert erschwert sich sein Dasein nur unnötig.


Einer Mietze muss man Müssiggang nicht extra erklären.....

Alles Jammern und Schimpfen nützt nichts: Sie klopft mit spitzem Knöchel an unsere Fenster, die kalte, dunkle Zeitspanne. Schnee und Eis bringt sie uns mit, frostige Tage und lange Nächte. 
Aber sie verwöhnt uns auch ausgiebig mit Schönem: warme Düfte, wenn wieder vermehrt gebacken und Deftiges gekocht wird. Weiches Licht, von vielen Kerzen herrührend, die wir jetzt gerne in unserem Zuhause entzünden. Wohlige Stubenwärme, die uns nach einem ausgiebigen Spaziergang in der Kälte umfängt, wenn wir mit roten Wangen und leuchtenden Augen nach hause zurückkehren. Rein in die warmen Puschen und ab in den gemütlichen Sessel, mit einem Buch und einem dampfenden Tee!



Und leise, aber unüberhörbar, melden sich in unseren Köpfen die Gedanken an eine glitzernde, geheimnisvolle Zeit. Gedanken, die zu Kreativität anregen, um unser Daheim festlich zu schmücken oder um handgefertigte Geschenke für unsere Lieben entstehen zu lassen.
Stunden hingebungsvollen Werkelns stehen bevor, voller Geheimniskrämerei und Vorfreude.

Ihr denkt, dass ich da ganz schön viele Klischees bemühe?
Mag sein. Aber GENAU so fühlt sich die kalte Jahreszeit für mich an.
Warm, gemütlich und inspirierend. (Oh, ich liebe dieses Wort! Inspiration....."Beseelung", "Einhauchung" heisst es ja direkt übersetzt. Besser könnte man es nicht beschreiben, was diese Zeit mit mir macht! Beseelung...hach......)

Dass ich sie liebe, diese unwirtliche Spanne, das dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein. ;oD

Wer weiss- vielleicht kann ich euch mit meiner Leidenschaft ein bisschen anstecken?

Habt mussevolle Tage, herzliche Grüsse!



PS: Übermorgen kommt wieder mein grosser, kalligraphierter Leuchtestern ans Stubenfenster. Als kleiner, strahlender Einstieg in die kalte, glitzernde Jahreszeit soll er uns die Abende in warmes Licht tauchen.



  

Dienstag, 18. Oktober 2016

ZUR RICHTIGEN ZEIT AM RICHTIGEN ORT

Mannmannmann....DAS war ja wieder mal was. 
PUUUHHHHHHHH.
Wie gut, dass wir grade Ferien haben (juu-huuuchz!!) und somit später als gewöhnlich im Stall aufschlagen, um allen vierbeinigen Freunden Frühstück zu servieren und die Gemächer sauberzumachen.




Aber von vorne:
Fahren wir also heute um 7 Uhr früh zu den Ponys. Als erstes bekommen sie immer ihr Heu serviert, und es verbreitet sich sofort gefrässige Ruhe (nur unterlegt von dumpfen, regelmässigen Mahlgeräuschen der Zähne).
Aber irgendwie.....was ist mit Johnny los? Der steht in der Gegend rum, würdigt das Heu keines Blickes und schüttelt immer wieder den grossen Kopf.
"Na, keinen Hunger heute??" frage ich ihn, nur um mir gleichzeitig schon Sorgen zu machen, denn DAS ist sehr ungewöhnlich.
Wir fangen also an, den Stall auszumisten; dabei behalte ich John aber immer im Auge.
Und prompt geht das los, was ich insgeheim bereits befürchtet hatte:  
Er guckt nach seinem Bauch, stampft mit den Hufen auf und versucht immer wieder, sich hinzulegen.
Vor meinem geistigen Auge taucht das Schreckgespenst aller Pferdehalter auf.

KOLIK!!!

Sofort rufe ich den Veterinär an (ist mir jetzt grad völlig Wurscht, wie früh das noch ist!), und der verspricht, gleich jemanden loszuschicken.

Zwischenzeitlich wollen wir mit Johnny auf dem Reitplatz Runden drehen, denn das verhindert a) das Hinlegen und b) animiert es den Darm, aber John weigert sich. 
Also binde ich ihn an der Stallwand an, damit sich John nicht hinlegen kann, mit geöffnetem Halfter, wie ich das immer tue. HerrHummel bekommt die Aufgabe, bei ihm Wache zu schieben, damit ich mich unterdessen um die Mietzchen kümmern kann.

Ich komme eben wieder die Heubodentreppe runter und in den Stall rein, da sehe ich grade noch, wie Johnny umkippt. Einfach so. Wie wenn ihm jemand die Hufe unter dem Körper weggezogen hätte. Gottseidank fällt er mit dem Rücken zur Wand, was den Sturz ein wenig abbremst, aber unglücklicherweise fällt er dabei auf die Anbindekette, sodass er mit dem ganzen Gewicht seines Kopfes und Halses da draufdrückt. Ich schaffe es, ihm das Halfter über die Ohren zu ziehen, aber nicht, es ihm ganz vom Kopf abzunehmen. An den Panikhaken kommen wir nicht dran, weil der genau in der Kehle zu liegen gekommen ist und jetzt unter Spannung steht.
HerrHummel und ich schieben und heben aus Leibeskräften- aber hat jemand von euch schon mal versucht, um die 700 Kilo ohnmächtiges Lebendgewicht von der Stelle zu bugsieren?? Eben. Zu allem Unglück hat sich John zwischenzeitlich irgendwie auch noch auf den Rücken gedreht, die Beine hängen in der Luft- ein wirklich beängstigendes Bild ist das. 
Ich weiss mir nicht anders zu helfen als einen Strick zu holen, ihm den doppelt um den Hals zu legen und dann mit aller Kraft das Pferd hin- und herzuschaukeln. Und siehe da: Plötzlich wird John seiner 7 Sinne wieder mächtig und springt mit einem einzigen Schwung auf die Beine.

Seltsamerweise ist er von dem Moment an ganz ruhig, wie wenn nichts gewesen wäre.

Gottseidank trifft ein paar Minuten später die Tierärztin ein und untersucht ihn. Die Darmgeräusche seien etwas vermindert, der Kreislauf okay, meint sie. Und spritzt ihm ein Spasmolytika. Ein krampflösendes Mittel also.

Sie empfiehlt uns, jetzt doch noch einen längeren Spaziergang mit ihm zu machen, damit die Darmtätigkeit angekrubelt wird, und ihm hinterher Heu anzubieten. 
Gemeinsam mit seinem Freund Harry marschieren wir also eine zügige Runde durch den Wald, Johnny hält flott mit und ist wieder ganz der Alte. Und wir müssen ihn hinterher auch nicht zwei Mal bitten, als wir ihm sein Heu vorlegen.

Mannmannmann. Wir haben alle echt Glück gehabt. Nicht auszudenken was gewesen wäre, wenn Johnny irgendwann im Laufe des Morgens umgefallen wäre, und keiner hätte es gemerkt......

HerrHummel ist immer noch ganz geknickt- sowas kann er sehr schlecht ab.
Und ich bin einfach froh, dass wir zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle waren. Mit Koliken ist nicht zu spassen; schon ein paar Stunden können über Leben und Tod entscheiden!
Es reicht völlig, dass uns im letzten Jahr Vajo und Ali verlassen haben......

Für mich hat sich mal wieder bestätigt: 
Ich werde nach wie vor keine Halfter schliessen, wenn ich ein Pony anbinde.

Und gleich fahren wir nochmal los zum Stall. Gucken, was die Jungs so treiben.


Habt einen schönen Tag! Und passt auf eure 4beinigen Freunde auf! 


Nachtrag: Vorhin kam uns Johnny wiehernd entgegengetrabt und machte sich dann auch gleich über's Futter her - man kann also Entwarnung geben! :oD


Donnerstag, 6. Oktober 2016

CHANGER LE MODE DE VIE

Ach, diese Franzosen. Die halten in ihrem Vocabulaire für Alles so schöne Begriffe bereit! Wenn wir etwas mit "Lebensart" umschreiben, dann nennt der Franzose das "le mode de vie". So viel eleganter hört sich das an! Bin halt ein wenig frankophil, mag so gerne diese entspannte französische Art, die Dinge anzugehen, die Sprache, die Liebe zum Schönen und allem, was Leib und Seele guttut! Der Franzose nennt es überaus treffend "savoir-vivre", also "wissen zu leben". Und das bringt es doch auf den Punkt! 


SAVOIR VIVRE. 
Zwei Worte, die in meinem eigenen Leben inzwischen wegweisend sind.
In den letzten Jahren ist es mir immer wichtiger geworden, meinem Leben ganz viel Qualität zu geben. Meiner anstrengenden Arbeit in der Klinik möglichst viel Entspannung gegenüberzustellen, viele Ruhephasen einzubauen. Mich mit Anregendem zu beschäftigen, kreativ zu sein, philosophische Ansätze zu integrieren. Das mag sich jetzt ein wenig hochtrabend anhören- aber ich ertappe mich immer öfter dabei, dass ich irgendwo sitze und "denke". Mich intensiv damit auseinandersetze, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Und ob es Sinn macht, sie zu ändern. Oft genug ist es erstaunlich, welche Resumés sich da erschliessen! 

Ich möchte mir Zeit nehmen für das, was ich tue.
Tranquillité nennt der Franzose das. Beschaulichkeit. Sich einer Sache ganz zu widmen, ohne abgelenkt zu werden.
Das konnte ich früher nur schlecht. Immer hätte ich gleichzeitig noch dies und das und jenes tun, erleben, erledigen wollen. 
Aber irgendwann hab ich festgestellt: Es tut mir nicht gut. Es lenkt mich vom Wesentlichen ab. Es macht unzufrieden. Erst wenn man den Fokus ganz darauf lenkt, was man gerade tut, wird man sich dessen BEWUSST. Und Bewusst-sein wird ja als "die Fähigkeit, mit dem Verstand und den Sinnen die Umwelt zu erkennen und zu verarbeiten" definiert. Was für mich im Umkehrschluss bedeutet: Nur wenn ich mir etwas bewusst mache, kann ich es auch verstehen. Und ihm die angemessene Wertschätzung entgegenbringen! 

Ich halte mein Leben so einfach wie möglich. Sehe es nicht als vergeudete Zeit an, wenn ich "nur" bei meinen Tieren sitze und ihnen zuschaue. Im Gegenteil: Diese Beobachtungen haben mich schon vieles gelehrt. Nicht nur über das Wesen von Tieren; oft lassen sich diese gewonnenen Erkenntnisse auch auf das eigene Leben ableiten!

Überhaupt sind in und mit der Natur verbrachte Stunden ein wahres Elixier. Die Jahreszeiten zu sehen, zu riechen, zu fühlen und zu schmecken, Licht- und Wolkenspiele am Himmel zu bestaunen, sich den kalten Wind um die Ohren pfeiffen oder die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen, feuchte Erde zu riechen oder sich Schneeflocken auf der Zunge zergehen zu lassen- all das sind sehr belebende Empfindungen.




Vorgestern Abend am Stall.....

Am Herd zu stehen ist keine meiner grossen Vorlieben; aber mit ganz einfachen Zutaten etwas Feines auf den Tisch zu zaubern das gut schmeckt und gut tut, macht trotzdem viel Spass. Zur Zeit gibt es so viele Geschenke aus Feld und Wald zu verarbeiten:


Rosmarin-Bratkartoffeln mit einem 
Kürbis-Pilz-Rahmragout 
zum Beispiel 
oder


....eine Kartoffel-Rüebli-Kohlpfanne 
mit Quittenmus 
vom eigenen Baum.

Ein einfaches, aber schmackhaftes Gericht kann so viel genussvolles Wohlbefinden vermitteln. Doch auch hier gilt: Dieses Wohlbefinden stellt sich nur ein, wenn man der Tätigkeit "Essen" die angemessene Aufmerksamkeit zukommen lässt. 

Und überhaupt fällt einem auf: Alles Gute braucht seine Zeit. Egal ob zwischenmenschliche Beziehungen, das Entwerfen des eigenen Lebensplanes oder der Aufbau des höchstpersönlichen Selbst-Bewusstseins, egal ob Wein, Käse oder Seife ;oD : Alles braucht viel Zeit zum Reifen!

Meine "mode de vie" hat sich sehr verändert, seitdem ich mir Zeit nehme. Ich bin viel achtsamer geworden und dadurch innerlich auch sehr viel ruhiger und ausgeglichener. 


Laissons savoir-vivre, chères amies, 

cordialement,

FrauHummel




Mittwoch, 28. September 2016

HOMO NEANDERTHALENSIS

Jeder auch nur annähernd versierte Hobby-Paläontologe wird einem ohne den leisesten Hauch eines Zweifels bestätigen, dass der Homo neanderthalesis ausgestorben ist, eliminiert von der Evolution, verdrängt vom Homo sapiens, dem "weisen Menschen". (Nein, nicht "weiss". Weise!)Der Spezies also, die am Stichtag des 1. Januar 2016 in der Summe von aberwitzigen 7.391.068.000 Exemplaren diese unsere Welt bevölkert. 

Der Neandethaler.



Isser nicht irgendwie schnuckelig??

Ich verrate euch ein Geheimnis, aber psschschschttt!!  
*verschwörerisches-Flüstern-und-mit-den-Augenrollen*:

Er lebt!!

Und bevor sich jetzt einer vielsagend an die Stirne tippt und denkt, dass mit der FrauHummel definitiv irgendwas nicht stimmen kann: 
Ich bin ihm begegnet. Hier, in unserer Wohnung. Ganz, ganz sicher.

Er sitzt aber nicht irgendwo in der Ecke auf seinen Fersen und stiert mit trübem Blick unter seinen mächtigen Augenwülsten hervor weil er nicht versteht, durch welches Zeitloch er denn nun in diese ihm völlig fremde, hektische, laute Welt geschleudert wurde.

Nö-nöööö!
Aber: er begegnet mir jeden Tag beim Blick in den Spiegel.

Okay. Rein optisch verbindet mich nicht viel mit diesem Urmenschen.
Keine fliehende Stirn, keine langen Arme, keine dicke, breite Knubbelnase. 

Aber drückt mir irgendein elektronisches Steuergerät in die Finger, setzt mich an einen Computer, der ein Eigenleben entwickelt (und ich schwöre: die haben eins!! Zumindest in meiner Gegenwart!) und lasst mich schutzlos damit alleine.
Schon kommt er angedackelt. Der Urzeitmann. 

Eigentlich bin ich ja nicht ganz doof. Eigentlich. Ich bin mit recht ansehnlichen Erfolgen durch meine Schulzeit marschiert, habe 2 Ausbildungen abgeschlossen und ernähre mich seit über 33 Jahren selbstständig. 
Aber ich bin, ich gebe es ungeniert und unumwunden zu, ein Moderne-Technik-Neanderthaler.

Mir fehlt definitiv ein Gen (vielleicht sind es auch mehrere), das/die ein reibungsloses Bedienen zeitgemässer elektronischer Geräte erst möglich machen.

Beispiel? Bitte:

Früher hatten wir 3 kleine Kästchen, mithilfe derer man unseren Fernseher anmachen konnte. Eins für das TV-Gerät, eines für den Receiver, eines für den Satellitenempfänger. Auf jedem dieser kleinen Helferlein musste ich genau EINEN KNOPF drücken, und schon sprang unser Gerät an.
Irgendwann kam HerrHummel auf die grandiose Idee, aus Drei Eins zu machen. Sprich: Er kam mit so einem Multifunktionswunderdingens nach hause. Und von dem Moment an war alles anders. Sprich: ungleich komplizierter.
Um unseren Fernseher in Gang zu kriegen muss man jetzt SIEBEN!! Knöpfe und Wippen bedienen, und wehe, WEHE!!, man vertippt sich irgendwie. Dann läuft es total konfus, bzw. es läuft eben GAR NICHT.

"Maaaaartiiiiiin!!" (denn so heisst HerrHummel im richtigen Leben),
"der Feeeernseher will mal wieder nicht!"

Unwilliges Grummeln im Arbeitszimmer, Füssescharren und sich näherndes Schlurfen.

"Wieso läuft der Fernseher nicht?"
"Das weiss ich doch nicht!"

Fliegender Wechsel der Fernbedienung von Frau zu HerrnHummel.

"Ja warum machst du denn den Receiver nicht an?"
"Hab ich doch!!"
"Hast du nicht."
Vernichtender Blick, der soviel wie "Frauen und Technik!!" ausdrücken möchte, und das Gerät funzt.

Ungleich dramatischer wird die Situation, wenn ich aus Versehen irgendeinen falschen Knopf erwische und ich mich, bzw. der Fernseher sich, plötzlich in irgendeinem Programmier-Modus befindet.

AAAARRRGGGGHHHHHHH!! 

Da komme ich ohne fremde Hilfe nie mehr aus eigenen Kräften raus. Ich kann höchstens einfach alle Stecker ziehen und die Batterien aus der Fernbedienung herauspopeln.

In ähnlicher Manier verhält es sich mit meinen Computern zuhause und am Arbeitsplatz. Alle Programme und Funktionen, die ich täglich anwenden muss, die hab ich einigermassen im Griff.
Für mehr reichts einfach nicht.
(Fragt nicht, wieviele hysterische Anfälle HerrHummel durchlitten hat, bis ich fähig war, meine Posts ohne seine Hilfe ins Netz zu stellen..... ;oD)

HerrHummel aber setupt und debugt, was das Zeug hält, baut Websites und designt irgendwelche Logos, schreibt Programme und wasweissichsonstnochwas, und ich frage mich andauernd:

Woher kann der das??
Denn eine entsprechende Ausbildung hat er nie gemacht.

Aber gut. Ich kriege es dafür hin, ein hysterisches Pony zu beruhigen, einen mittels Motorsäge aufgefrästen Oberschenkel zusammenzunähen oder die Räder an meinem Auto zu wechseln (HA!!).

Oberschenkelzusammenzurren und Ponyberuhigen schafft HerrHummel nicht. 

Jeder nach seinen Möglichkeiten!


Herzliche Grüsse!
Eure Hummeline neanderthalensis

  





   

Sonntag, 18. September 2016

TARTE AU CITROUILLE

Ist es nicht jedes Jahr dasselbe? Kaum manifestiert sich der Herbst (hier zog bereits der erste Herbssturm mit viel windigem Getöse und Sprühregen um die Häuser), da freut man sich auch schon auf deftige Mahlzeiten, die alles einbinden, was diese Jahreszeit so an Köstlichkeiten zu bieten hat!

Die Frau BWH kommt heute mit einer feinen Suppe um's Eck, und bei Grazyna lief mir beim Anblick der französischen Tarte au Citrouille so sehr das Wasser im Mund zusammen, dass ich mir vornahm, sie gleich dieses WE nachzubacken. (Übrigens ist auch das Video dazu absolut sehenswert. Sagt selber: Möchte man nicht gleich seine Koffer packen und auswandern, um SO! zu leben?? Dieses Bedächtige, Unaufgeregte, Naturnahe.....aaaaach......!!)

Gehn wir also ans Werk. Ich habe ein paar Variationen à la Hummel vorgenommen, aber darin liegt ja des Künstlers Freiheit, n'est-ce pas?? ;oD

Alors:
Wir haben ein paar Zwiebeln und Champignons in Würfel geschnitten und mit einer Handvoll Speckwürfel (vom freilaufenden Schweinchen!) angebrutzelt. 4 Knoblauchzehen durch die Quetsche dazugedrückt, mit Salz, Pfeffer, Thymian und Oregano gewürzt. 
Anschliessend wurde ein mittlerer Butternutkürbis durch die grobe Raffel gedreht. (Meine alte Zyliss ist unbezahlbar wenn es darum geht, irgendwas kleinzukriegen! Und sie beweist einmal mehr, dass das Althergebrachte oft einfach das Beste ist. Und unkaputtbar noch dazu.)



Der Kürbis wanderte zum Rest in der Pfanne und schmurgelte ein Weilchen mit.




Unterdessen wurde der Kuchenteig in die Form gelegt und mit der Gabel eingestochen, das Kürbisgemisch wurde ordentlich darauf verteilt.

Nun gingen 2 Eier eine Liaison ein mit einer Packung Magerquark, wurden mit Salz, Pfeffer, ein wenig Muskat und ordentlich gehackten Schnittlauch aromatisiert, über die Füllung gegossen und mit der Gabel ein wenig in das Kürbisgemisch eingearbeitet.

So. Und jetzt würde der Ziegenkäse ins Spiel kommen. Da wir uns aber nicht sicher waren, ob wir den leiden können, hatte ein Tomme à la Crème Jean-Louis die Ehre, wurde in Scheiben geschnitten und obenauf gelegt. Frische Feigen, wie Grazyna sie für ihre Tarte verwendet hat, konnte ich leider keine finden.



Die ganze Herrlichkeit wanderte nun für ca. 25 Minuten bei gut 200° in den Ofen.

Wir waren gespannt!

Optisch war die Tarte schon mal eine Augenweide.




Und sie hat wunderbar geschmeckt! Ich hab mir sogar ein Gläschen Wein dazu gegönnt und fühlte mich der Touraine gleich um ein paar Kilometer näher.....  ;oD


Ausserdem passt das Wetter heute ganz ausgezeichnet, um sich genussvoll den Magen zu wärmen, das Weinglas zu schwenken und sinnierend aus dem Fenster in die Landschaft zu gucken.





Bon appetit, mes chères amies, à bientôt!

Mittwoch, 14. September 2016

SZENENWECHSEL

"Nein, nein, nein!!" 
zetert der Sommer, stampft empört mit einem Fuss auf und wischt sich eine blonde Locke aus dem zornesroten Gesicht.
"Ich WILL noch nicht gehen!".

Der Herbst, der ihm gegenübersteht, wiegt bedächtig den Kopf und lächelt leise über diesen Gefühlsausbruch. Streicht mit der Hand durch seinen Bart, der immer ein wenig zerzaust aussieht, und beschwichtigt:
"Höre, Sommer. Du hattest deine Zeit. Und du hast sie gut genutzt. Aber jetzt bin ich dran. Siehst du denn nicht, wie frühmorgens, wenn der Tag langsam über die Berge klettert, schon die Nebelchen ziehen? Wie feine, zartgewebte Mousselinetücher spanne ich sie in die Landschaft. Und im Gras glitzert der kühle Tau, Millionen winziger Glassplitter gleich. Ich färbe die Blätter der Bäume bunt, ich mache die Tage kürzer und die Nächte länger. Verleihe dem Licht eine Klarheit, wie nur ich es zustande bringe, und lasse die Natur noch einmal ihr ganzes Füllhorn ausschütten, bevor sie sich zur Ruhe legt. Und du wirst sehen: Schon bald schicke ich stürmische Winde und lasse den Regen ein fröhliches Liedchen an die Fensterscheiben der Häuser klopfen.
Also zieh von dannen, lieber Sommer, und sammle deine Kräfte für's kommende Jahr!"

Lachend wirft der Herbst den Kopf in den Nacken, füllt seine Backen und prustet so ungestüm gegen den nächsten Baum, dass die Blätter aufwirbeln und eine Amsel erschrocken aus dem Geäst fliegt.


Mit hängenden Schultern gibt der Sommer klein bei und räumt das Feld. "Aber ich komme wieder!" ruft er beim Weggehen noch über die Schulter zurück.

Und der Herbst? Der tut, was ein Herbst eben tun muss. Schreitet seinen Garten ab, streichelt hier einem Apfel über die Wange, sodass er vor Verlegenheit ganz rot wird, und grüsst dort einen Schmetterling, der in der noch warmen Sonne von einer Blüte zur andern taumelt, immer in der Gewissheit, dass auch seine Tage bald gezählt sind.



Alles ist wie immer. Und alles ist, wie es sein soll.


***************************


Doch, es war ein guter Sommer. Viele Mussestunden hat er mir gebracht, viel Zeit zum Ausspannen, Nachdenken, Energietanken.
Leider hatte er auch eine Diagnose für mich im Gepäck; die Krankheit wird mich nicht umbringen, leichtermachen wird sie mein Leben allerdings auch nicht. Aber ich bin ja ein Indianer......

Was noch? Wolldecke fertiggehäkelt, Schal, seit Ewigkeiten auf den Nadeln hängend, zu Ende gestrickt. Wieder Seife gesiedet, diesmal mit Honig. Wer einmal seine eigene Seife gesiedet hat, der wird so schnell nichts anderes mehr wollen! ;oD

Inzwischen sind auch die Jungs aus dem Jura zurück, mit dicken Bäuchen und sehr zufrieden mit sich und der Welt. Und einmal mehr gelangte ich zur Erkenntnis: Ohne die Jungs geht das nicht! Zumindest nicht auf Dauer.

Und ich habe realisiert: Das Schreiben fehlt mir.
Also werde ich hier in loser Folge weiter meine Gedanken auf's virtuelle Papier bringen. Kann sein, dass demnächst vielleicht die Kommentarfunktion verschwindet. Da hadere ich noch ein wenig.....

Dann also: 

Même lieu, même sujet. De loin en loin!


Und grüsst mir den Herbst, wenn ihr ihm begegnet! ;oD 





Mittwoch, 6. Juli 2016

WENN DIE FRAU HUMMEL MIT DEM HERRN HAMLET.....

VERFLIXT!

Ich stecke in einem Dilemma fest. Aber sowas von!

Die Frage, die mich umtreibt, die stellte sich schon weiland der gute Hamlet. 
In einer..ähmmm...etwas epochen- und hummelzangepassten Variante stelle ich sie mir in letzter Zeit andauernd.

"To blog or not to blog??"

Tja. Wenn ich mir das mal selber schlüssig beantworten könnte....

Denn im Zuge meiner ungebrochenen Lust am Reduzieren holte mich natürlich auch der Gedanke ein, dass das Bloggen ganz viel meiner Lebenszeit vernichtet und dass man den Aufenthalt vor dem Monitor nun (noch)mal rigoros reduzieren sollte. Oder dass man dieser Tätigkeit vielleicht sogar ganz Einhalt gebieten könnte, denn ausser zum Bloggen gibt es für mich kaum einen Grund, die Elektronik anzuwerfen. 

So weit, so einleuchtend. Wenn da nicht mehrere dicke ABER's wären.

  • ABER Bloggen macht halt einfach Spass!
  • ABER Bloggen stellt Kontakte zu besonders netten Menschen her, im Speziellen auch zu solchen, die sich mit ganz ähnlichen Perspektiven auf's Leben befassen wie man selbst!
  • ABER Bloggen erweitert den Horizont!
  • ABER Bloggen inspiriert und schubst eigene, vielleicht verschütt gegangene Kreativität(en) an!


Und man wiegt alle Punkte pro und contra Bloggen gegeneinander auf und stellt fest......dass man irgendwie zu keinem zielführenden Fazit kommt.

Das Bloggen ganz aufgeben? Jammerschade wäre das. Eigentlich.

Jeden Tag mehr als eine Stunde vor dem Monitor verbringen, damit man wenigstens bei seinen liebsten Mitbloggern mitlesen und zumindest einige Kommentare verfassen kann? Irgendwie..... auch nicht das Wahre.

Hmmmm......

Hhhhhhmmmmmmmmmmm!!!

Frau Hummel!!! Jetzt reiss dich mal am Riemen! Was soll denn dieses wankelmütige Getue hier?

Genau. Ein Kompromiss muss her.

Und deshalb hier und jetzt und hochoffiziell:

Das war's mit dem hummel'schen Blog.
(Wahrscheinlich)

Ich werde dem Kompromiss gehorchend natürlich weiterhin das eine oder andere Mal bei meinen liebsten Bloggis reinspienzeln.
Um ab und zu meine ungefragte Meinung einen Kommentar zu hinterlassen.
Und es könnte vielleicht, eventuell, unter gewissen Umständen sein, dass hin und wieder, aus heiterem Himmel, hier ein Post aufploppt. Wenn mich was mal ganz besonders freut, ärgert oder mitreisst. Aber verlasst euch nicht drauf! ;oD

Für den Moment: ein fröhliches Winken in die Runde. Schön war's mit euch!



Und vorderhand ein letztes Mal:

Hummelzherzensgrüsse!!



Sonntag, 26. Juni 2016

AU REVOIR, À BIENTÔT!

....und dann kommt man abends nach hause. Ziemlich müde und kaputt von der stundenlangen , monotonen Fahrt auf der Autobahn. Steht im leeren Stall, lässt die verwaisten Ausläufe und Weiden auf sich wirken und kommt einmal mehr zur Erkenntnis:

Ein Leben ohne Ponys ist möglich, aber nicht erstrebenswert!

Eine Millisekunde lang fragt man sich sogar: 
"Was tust du da eigentlich?? Bist du völlig verrückt, deine geliebten Freunde für satte 10 Wochen in eine entlegene Ecke der Schweiz zu karren?"

Doch dieser klitzekleine Moment des Zweifelns vergeht so schnell, wie er gekommen ist. Denn man weiss ja aus langjähriger Erfahrung: Es ist eine herrliche Zeit für alle. Die Ponys dürfen nun wieder ihre wilde Seite nach aussen kehren, bei Wind und Wetter mit vielen Artgenossen über diese riiiiesigen Weiden ziehen, ihre Dimensionen in wilden Galoppaden abmessen. Werden bei Hitze oder Niederschlag Schutz unter Tannen und Laubbäumen von ungeahnter Grösse suchen, unter denen der Boden trotz Starkregen immer trocken bleibt. Schliessen Freundschaften. Und verbringen ihre Tage genau so, wie sich das ein Pony in seinen kühnsten Träumen vorstellt.

Die Freude über die beinahe endlose Weite und Freiheit zeigen sie von der ersten Minute an überdeutlich.....



Und wir?
Wir werden jetzt auch mal ein wenig aufatmen. Unsere Tage werden die nächsten 10 Wochen einen ganz anderen Rhythmus schlagen, und wir werden uns, obwohl wir das ja eigentlich schon oft erfahren haben, erneut wundern, wieviele Stunden mehr man plötzlich für Müssiggang und Schlendrian zur Verfügung hat. 

Aber genauso werden wir sie in ein paar Wochen wirklich vermissen, unsere Jungs. 
Uns täglich fragen, wie's ihnen wohl geht 
(bestens natürlich, was sonst?? ;oD), 
was sie so treiben 
(fressen - dösen - fressen - dösen....) 
und ob sie wohl auch mal an uns denken werden
(Nö. Mit Sicherheit nicht.)

Und weil sich das dringende Bedürfnis, jemanden zu Betüddeln und zu Knuddeln, nicht einfach so abschalten lässt, gibt's im Stall ja noch die kleinen (und ganz kleinen! ;oD) vierpfotigen Freunde. 



Die werden die schlimmsten Entzugserscheinungen bestimmt abmildern!
;oD


Habt einen fröhlichen Sonntag,

Hummelzherzensgrüsse!