DENKEN UM ZU SCHREIBEN UM ZU DENKEN
Manfred Hinrich, Philosoph
Manchmal geben ein paar einfache Worte sehr exakt das wieder, was man empfindet. Dieses Zitat von Manfred Hinrich, bestehend aus vier simplen Worten, drückt so haargenau das aus, was das Schreiben für mich bedeutet, dass ich im ersten Moment ziemlich perplex war. Musste es nochmal und nochmal lesen, nur um immer wieder zur Erkenntnis zu gelangen: Besser könnte man es nicht ausdrücken!
Manchmal kullern in meinem Kopf kleine bunte Bällchen herum. Eindrücke, Empfindungen, Wortfetzen sind es meist nur, empfangen von meinen Hirnantennen im Laufe eines Tages, ungeordnet und wirr.
Aber intensiv sind sie und lassen mich somit auch nicht mehr los. Doch in dieser Form kann man mit ihnen nicht sehr viel anfangen; sie sind weder substanziell noch ergeben sie einen tieferen Sinn.
Wenn ich mich also nur in Gedanken mit diesen Sinneseindrücken beschäftigen würde, so hätten sie wohl die Konsistenz von zähem Fleisch; ich würde sie hin- und herschieben zwischen meinen geistigen Kauwerkzeugen und käme kaum zu Rande mit ihnen.
Sobald ich mich aber hinsetze und sie in Worte zu fassen versuche, nehmen meine Gedanken plötzlich Gestalt an. Beim Versuch, diese Emotionen in den treffendsten Ausdruck zu kleiden reihen sie sich brav auf und marschieren flott in eine Richtung, wie kleine Wort-Soldaten. Worte, die zusammen einen Sinn ergeben, die zusammengehören und voneinander abhängig sind fassen sich an den Händen und bilden sinnvolle Sätze. Und diese Sätze wiederum leiten und führen meine Gedanken, ordnen sie und und geben ihnen einen Platz. Sie formen Bilder in meinem Kopf, verleihen ihnen Farbe und Kontur.
Wenn ich mir hinterher den verfassten Text immer wieder durchlese, an Formulierung und Stil feile, die Ausdrucksform zu optimieren versuche um eine gedankliche Einheit zu schaffen erkenne ich oft auch, dass das Geschriebene neue Denkanstösse erzeugt.
Plötzlich verknüpfen sich diese neugeschaffenen Bilder mit den älteren, die in meinem Kopf abgespeichert sind. Sie regen zu ungewöhnlichen Gedankengängen an, hinterfragen und analysieren.
Schreiben ist also nicht nur Mittel zum Zweck; Schreiben gibt einem die Gelegenheit, sich sehr intensiv mit der Welt, in der man lebt, und den eigenen Gedankengängen zu befassen. Wenn man sich per geschriebenem Wort damit auseinandersetzt, sie versucht zu artikulieren, so wird das auch die eigene Empfindsamkeit und Intuition beeinflussen.
Worte können leere Phrasen sein. Sie können unser Dasein aber auch nachhaltig prägen. Seitdem ich (auch bedingt durch das Bloggen!) wieder viel mehr und regelmässig schreibe glaube ich doch, deutlich emotionaler geworden zu sein, in einem erfreulichen Sinne.
Mehr denken um viel zu schreiben um erneut zu denken.....
Und wer jetzt denkt "Abba jetzt hat die wohl einen an der Waffel, die Hummel!":
Nö. Glaub ich nicht!
Aber manchmal müssen sie raus, die Gedanken. Damit es Platz für neue gibt! 😊
Habt einen schönen Tag, liebe Grüsse!
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